Die Grünen – Veggietag – Reaktionen

Gepostet am Aktualisiert am

Tempowurst – Fressen ist Freiheit
von Michel Goldmann am 8. August 2013

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Es ist Wahlkampf und die Grünen haben eine Idee: An einem Tag pro Woche sollen die Kantinen des Landes gänzlich auf die Verwendung von Fleisch verzichten. Vegetarische Kost – der Umwelt zuliebe! Nüchtern betrachtet ist der “Veggie-Day” freilich kaum mehr als ein symbolischer Akt. Ein Tropfen in die fett-triefende Fritteuse der Fleischindustrie, wenn man so will. Dennoch gibt es eine Vielzahl von ökologischen, medizinischen und nicht zuletzt pädagogischen Gründen für diesen Vorschlag. Gründe, für die sich aber keine Sau interessiert. Schließlich will uns jemand das viele Fleisch wegnehmen! Die Volksseele kocht …

Die BILD-Zeitung verortet das Thema sogleich in der Sphäre pathologischen Wahnsinns und skandiert: “So lacht Deutschland über die Gaga-Idee der Grünen”. In Berlin ziehen unterdessen ganze Delegationen der Jungen Union und der Jungen Liberalen zur Parteizentrale der Grünen, um dort ein Zeichen zu setzen. Durch Protest-Grillen – logisch! Berauscht vom Mief hunderter Würste werden schließlich eilig zusammengeflickte Plakate und Transparente präsentiert, die von einer verheerenden Intellektualkatastrophe künden:

“Grillen? Gefällt mir!” – “Mein Bauch gehört mir!” – “Kantine ohne Fleisch ist wie K(ü)nast”

Und als ganz besonderer Tiefpunkt: “Burger-Rechte stärken!”. Danke, liebe FDP! Du stolze, alte Burger-Rechtspartei …

Im Internet ist es aber auch nicht besser. Mittlerweile sind viele Zeitungen einer Meinung mit der BILD und in den Foren tobt der Mob. Immerhin geht es um die Wurst und selbst der Laie begreift, dass hier existentielle Grundfesten des Person-Seins angegriffen werden. Vereinzelt ist von Faschismus die Rede. Hitler war ja auch Vegetarier.

Moment mal!? Eine Partei schlägt aus Versehen was Durchdachtes vor und alle hassen sie dafür – das ist doch vor kurzem schon mal passiert! Genau: Die SPD mit ihrem aberwitzig selbstbewussten Vorschlag, ein generelles Tempolimit von 120kmh auf deutschen Autobahnen einzuführen. Reaktionen darauf: siehe oben. Nur ohne Grill.

Tempo und Wurst sind in Deutschland offenbar Gradmesser der persönlichen Freiheit. Freiheit, dieser einstmals große Begriff der Aufklärung, ist verkommen zu einer Metapher für unbeschränkten, geistlosen Konsum. Kein Wunder also, dass niemand mit Plakaten auf die Straße rennt, wenn uns ein Idealist enthüllt, dass wir alle in der totalen Überwachung leben. Ideale kann man nicht konsumieren. Selbstbestimmung und Würde – was soll das schon sein? Aber wehe es gibt kein Fleisch! Fressen ist Freiheit!

Freiheit ist also kein Ideal mehr. Sie ist ganz pragmatisch geworden und liegt jetzt bei Rewe in der Wursttheke. Der freie Zugang zur Wursttheke heißt Demokratie. Insofern sind Freiheit und Demokratie längst “marktkonform” und was an Merkels berüchtigtem Ausspruch oft als Forderung missverstanden wird, ist bereits Realität.

Das war nicht immer so. Das längst verblichene Wort “Sonntagsbraten” erzählt von einer Zeit, in der reichlicher Fleischgenuss offensichtlich besonderen Anlässen vorbehalten war. Keinesfalls täglich. Und schon gar kein Braten. In den Brunnen gefallen ist das Kind dann wohl in den 50er Jahren. Wirtschaftswunder, Überfluss – nach all den mageren Kriegsjahren. Beim Fressen vergessen war das Beste, was sich die junge Bundesrepublik erträumen konnte.

Zurück zur Gegenwart: Das Kind im Brunnen ist freilich schon lange tot, aber die Regale platzen immer noch aus allen Nähten. Da haben wir den Salat! Pardon, die Wurst! Und die kommt auf den Grill! Aber nicht auf irgendeinen: Tonnenweise Fleisch auf arschteuren Nobel-Grills zu versengen ist DER Trend schlechthin und Ausdruck von – ja wovon eigentlich?

Mittlerweile gibt es sogar Grill-Shows im Fernsehen. Das hat nichts mehr mit Genuss zu tun. Wir werden alle immer fetter. Fleisch ist der Fetisch einer maßlosen Überflussgesellschaft. Was unterscheidet Menschen, die ausrasten, weil sie einen Tag lang Gemüse essen sollen, noch groß von Zombies, die wir aus dem Kino kennen? Der Fresshype reduziert alles auf Körperfunktionen. Wahrscheinlich gibt es bald die ersten Grill-Pornos. Gute Nacht.

Quelle

In dieser neuen Radiosendung wird dieser Artikel auch zitiert:

Radio Moppi – 16.8.2013

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Stellungnahme von Birgit Tersteegen zu den Grünen:

Sons of Libertas & Birgit Tersteegen

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