Verdummt noch mal! Der unsichtbare Lehrplan oder: Was Kinder in der Schule wirklich lernen.

Gepostet am Aktualisiert am

John Taylor Gattos „Dumbing Us Down“ endlich auf Deutsch erschienen
Schule macht dumm.
John Taylor Gattos diagnostisches Resümee nach über drei Jahrzehnten als preisgekrönter Lehrer im staatlichen System ist so explosiv wie schockierend. Sein Anliegen ist die Aufklärung darüber, was in der Schule tatsächlich passiert, welche Rolle dem Lehrenden dabei zukommt und welch fatale Wirkung die Beschulung von Kindern auf unsere Gesellschaft hat. Die Darstellung kollektiver, tabuisierter Erfahrung hat dem Autor dieses US-amerikanischen Bestsellers von 1992 über 15.000 zustimmende und dankbare Zuschriften beschert. Ein Buch, das verbalisiert und erklärt, was so viele betrifft; bestehend aus ehrlichen, leidenschaftlichen und beinahe aus dem Stegreif gehaltenen Vorträgen.

Schule und Bildung sind unvereinbar
Durch die Manipulationen der „berühmten sieben Gatto-Lektionen“* des versteckten Lehrplans – Verwirrung, Kastenzugehörigkeit, Gleichgültigkeit, emotionale und intellektuelle Abhängigkeit, labiles Selbstbewusstsein und allgegenwärtige Kontrolle – werden abhängige, deformierte Charaktere erzeugt, deren lenkbares, vorhersehbares Verhalten nur zu lebenslanger Unterordnung befähigt. Die fast vollständige Inanspruchnahme der Lebenszeit der Heranwachsenden durch Massenmedien und Schule nimmt ihnen die Möglichkeit zur persönlichen Entwicklung und individuellen Entfaltung, also zur Selbsterkenntnis, die Voraussetzung für wahre Bildung ist. Gatto kommt zu dem Ergebnis, dass er als Lehrer dafür bezahlt wird, Kinder am Lernen zu hindern; dazu lässt die „pathologische Schule“ niemanden unbeschadet, der mit ihr zu tun hat – Kinder wie Erwachsene. Als „größten Triumph“ des Systems der staatsmonopolistischen Zwangsbeschulung bezeichnet er die Tatsache, dass sich kaum jemand vorstellen kann, die Dinge anders zu regeln; Lesen, Schreiben und Rechnen bieten jedoch nur vordergründig die Rechtfertigung für jahrelange Indoktrination.

Das ungeschriebene Ziel jeder Institution ist ihr Wachstum – Netzwerke versus echte Gemeinschaften
Gatto, auch Autor von „The Underground History Of American Education“ (2001), bezieht historische Betrachtungen in seine Überlegungen ein und plädiert – in Besinnung auf die frühe Zeit der neuenglischen Kolonien in Nordamerika – für dezentrale Selbstverwaltung, die Raum für individuelle Lösungen lässt. In aktuellen gesellschaftlichen Phänomenen wie Netzwerken und künstlichen Gemeinschaften (Schulen) sieht er die Fragmentierung der Persönlichkeit, die durch spätere Integration ausgeglichen werden müsste, was häufig nicht geschieht. Langfristig wird die Fähigkeit, echte Gemeinschaften zu bilden (Familien, Gemeinwesen), verlernt; Symptome eines Zerfalls der Gesellschaft gibt es überall.

„Das Schulsystem ist nicht reformierbar, weil es so erfolgreich ist.“
Das Versagen des Bildungssystems ist offensichtlich und beschert uns seit Jahrzehnten unendliche Debatten. Die beiden Reformansätze – der mechanistische, der formale Veränderungen propagiert, und der kriminalistische, der die „Bösen“ sucht und zu eliminieren versucht – sind beide verfehlt, weil die Bildungsfrage nur individuell beantwortet werden kann. Wir brauchen weniger Schule, nicht mehr, lautet Gattos Plädoyer. Und: Echte Bildung erkennt man daran, dass sie so gut wie nichts kostet.

Schule ist antidemokratisch, sie ist das herrschaftserhaltende Mittel schlechthin
Gatto gelingt es, in aller Kürze mit unabweisbarer Klarheit und Transparenz seine Beobachtung zu vermitteln, dass die Methode der Zwangsbeschulung ihr Inhalt ist. Dass dieser Fakt den allermeisten Erwachsenen verborgen bleibt und Eltern unfähig sind, nur zu denken, dass die Schule schlecht sei, in die ihr Kind geht, führt Gatto auf die „gute Beschulung“ der Eltern selbst zurück. Das Schulsystem bezeichnet er als riesiges, von seinem Wesen her parasitäres Jobprogramm, dessen Leidtragende die Familien sind, denen neben ihrer eigenen Zerstörung durch die abgeschnittene Interaktion zwischen Kindern und Eltern auch die stetig steigenden Kosten, die es verursacht, aufgebürdet werden.

Schullektüre für SchülerInnen
Freunde der Bildungsfreiheit und alle aufrechten Demokraten dürfen die Übersetzung dieses Bändchens feiern, das mit zwei Vorbemerkungen angereichert wurde. Gattos Text hat die Kraft, Augen zu öffnen; es erweist sich für uns alle als relevant, schließlich sind wir Produkte des beschriebenen „social engeneerings“. Ein absolutes Muss für Lehrende, Eltern und „Experten“, die sich zum Thema Bildung kompetent einmischen wollen. Als Schullektüre zu empfehlen!
Lou

* Vera F. Birkenbihl im Vorwort zu: John Tailor Gatto: Verdummt noch mal! Genius-Verlag 2009. 12,80 Euro.

http://www.genius-verlag.de
http://www.johntaylorgatto.com

Quelle
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Vom Reden ins Handeln kommen (Rüdiger Lenz)

Veröffentlicht am 17.07.2013
„Eigensouveränität: Vom Reden ins Handeln kommen…“
„Rüdiger Lenz“ ist Tätertherapeut und Optimierungs-Coach. Als Autor ist er bekannt geworden durch seine Bücher: „Das Nichtkampf-Prinzip“ und „Die Fratze der Gewalt“.

Rüdiger Lenz ist Mitglied der Partei „Neue Mitte“-

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