James DeMeo über Wüsten und patriarchalische Systeme

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Der vollständige Artikel ist hier zu lesen:
 
Jürgen Fischer – Orgon und Dor
Die Lebensenergie und ihre Gefährdung
Texte und Materialien zu Wilhelm Reich und zur aktuellen Orgonomie
 
Regen in der Wüste – Ein Interview mit Dr. James DeMeo
 …
J.F.: Erkläre bitte den Begriff „Saharasia“ genauer.
James DeMeo: Ich wollte in meiner Dissertation bestimmte kulturelle Charakteristika
global aufzeichnen, um zu erkennen, ob man ihnen bestimmte geographische
Dimensionen zuordnen kann. Ich wollte erkennen, wo bestimmte soziale Institutionen ihren Ursprung hatten, wie zum Beispiel die patriarchale Form der Heirat oder die Vererbung des Landes an die männlichen Nachkommen oder die Einstellung gegenüber der Jungfräulichkeit, das Jungfräulichkeits-Tabu. Wo haben alle diese Einstellungen ihren Ursprung?
Wie ist deren geographische Verbreitung in der Gegenwart?
Denn sie sind durchaus nicht global.
So entwickelte ich eine Anzahl von Karten verschiedener sozialer Institutionen und es entstand ein bestimmtes Muster.
 
Es zeigte, daß sich in Nordafrika, im mittleren Osten und in Zentralasien die eine bestimmte Kulturform lokalisierte, die patriarchalisch, autoritär, kriegerisch und sexuell repressiv war.
 
Diese Kultur straft die Kinder hart wegen jedes Ungehorsams, unterdrückt die Sexualität
der Heranwachsenden, die Spontaneität der Kindheit, verlangt die Unterordnung der Kinder unter die Erwachsenen, die Unterordnung der Frauen unter die Männer und gibt Frauen eine untergeordnete Stellung. Diese Kulturform hat ihre strengste Form im Gebiet von Nordafrika, dem Mittleren Osten und Zentralasien.
Das ist deshalb sehr interessant, weil diese Gegend auch der Bereich der trockensten, härtesten Wüsten auf der Erdoberfläche ist: die Wüste Sahara und die Wüsten des Mittleren Ostens und Zentralasiens.
So gibt es also eine parallele Überschneidung zwischen menschlichem Verhalten und einem bestimmten Umwelt-Typ.
 
Beide haben mit stagnierter, toter Energie zu tun, wenn man an die Energieblockaden in patriarchalen, autoritären, hochgradig gepanzerten Charaktertypen oder Sozialstrukturen denkt, wie Reich sie beschrieben hat: Blockade von Gefühl, von sexuellen Impulsen; die Unterdrückung der Interessen junger Menschen: Jeder muß sich dem Gehorsam gegenüber älteren Männern beugen, Kinder müssen den Eltern gehorchen und Frauen den Männern, jüngere Männer den älteren Männern und gewöhnliche Menschen den politischen und religiösen Hierarchien. Da wird viel Energie blockiert und es entsteht viel emotionelle und energetische Stagnation, die sich in der geographischen Landschaft wiederspiegelt, in der Wüste, die sich aufgrund des Mangels an energetischer Pulsation gebildet hat, was zum Austrocknen durch fehlenden Regen führte. Man kann das Austrocknen durch fehlenden Regen mit dem Austrocknen durch einen Mangel an Saftigkeit des Lebens der Menschen vergleichen, die in diesen Gebieten leben. Reich hat in den fünfziger Jahren darüber geredet. Das hat mich motiviert, meine ersten Labndkarten zu erstellen. Meine Vermutungen gingen dahin, daß die Wüsten dieser Erde der Ursprung dieser harten, patriarchal-autoritären Sozialstrukturen sind. Das bestätigte sich viel eindeutiger, als ich erwartet hatte.
Auf der Grundlage dieser Arbeit begann ich eine parallele archäologische
Untersuchung. Ich bezog frühe archäologische und paläo-klimatische Studien
mit ein. Paläo-Klimatologie befaßt sich mit den Klima früherer Erdepochen. Die
Paläo-Klimatologen hatten in ihren Zeitschriften die Regionen Nordafrikas, des Mittleren Ostens und Zentralasiens, den heutigen großen Wüstengürtel als Gras- und Waldland ausgewiesen in einer Zeit etwa um 4000 v. Chr. Der gesamte Bereich der heutigen strengen Wüsten war also vor 6000 Jahren noch feuchtes und saftiges Land, in denen es sogar Flüsse gab und Tiere wie Elefanten und Giraffen, Flußpferde, Krokodile und Fische, Gazellen und Zebras.
J.F.: Ich habe gelernt, daß Nordafrika die Kornkammer des römischen Reiches
war.
James DeMeo: Ja, der Prozeß der Austrocknung dauerte lange und er hält heute immer noch an. An der Küste gibt es immer noch einen schmalen grünen Streifen, aber bereits wenige hundert Kilometer südlich des Mittelmeers herrscht totale Wüste. Aber man findet Ruinen römischer Festungen, Städte und Bäder.
Und wenn man weiter in die Wüste hineingeht findet man Ruinen noch älterer Kulturen und Zivilisationen. Man findet alte Flußbette unter dem Flugsand. Es ist total gesichert, daß diese riesigen Wüstenregionen fruchtbar gewesen sind, und zwar nicht nur während der Eiszeit, sondern noch zwischen der Eiszeit und etwa 4000 v. Chr. Viele tausend Jahre lang war Nordafrika feucht und saftig gewesen. Die Klimaveränderung war also keine Folge der Eiszeit.
Was ich aus der Archäologie dieses Gebiets erkannte, war folgendes: In der feuchten Periode hatten die Menschen dieser Gegend keine Kriegswaffen, sie hatten keine Festungswerke, sie hatten keine Gräber oder Tempel für große Führer; die Kunst, die sie hinterlassen haben, die Höhlenmalereien, waren Abbildungen des täglichen Lebens: fischen, jagen, singen, tanzen, Tiere usw., viele Bilder von Frauen mit Babies. Aber wenn man die archäologischen Funde betrachtet, nachdem es trocken geworden ist, von der Bronzezeit bis heute, kann man erkennen, daß sie von kriegerischen Geräten und Handlungen total dominiert werden. Man findet Kriegswaffen, Festungsanlagen, Gräber großer männlicher Führer und Tempel, die auf politische und religiöse Hierarchien
hinweisen. Man findet Beweise für Massenabschlachtungen von Menschen, niedergebrannte Städte, man findet enthauptete Körper in den Gräbern. Man entdeckt, daß ein Gruppe Menschen mit enormen Mengen an Geld und Reichtum bestattet wurde. Andere, arme Menschen wurden in Gruben geworfen. Man kann Ernährungsprobleme an den Knochen erkennen, die Menschen waren unterernährt. Die Höhlenmalerei entwickelte sich von naturalistischen Szenen des täglichen Lebens hin zu Krieg, Invasionen, Streitwaren, Pferden, Schwertern und Pfeil und Bogen und zu Schlachtszenen. Und die Qualität der Kunst nimmt ebenfalls ab.
Die Archäologie erzählt also eine Geschichte: daß es in der feuchten Periode keinen Krieg und keine weitverbreitete Gewalt gab. Das hatte bereits Reich von den frühen, ungepanzerten Kulturen angenommen, die den friedlichen Kulturen der jüngeren Vergangenheit, wie etwa der auf den Trobriand-Inseln, entsprechen. Diese waren um die Jahrhundertwende von Anthropologen studiert wurden. Sie waren sehr freundliche, friedliche, glückliche Menschen. Malinowsky, der auch in Psychoanalyse ausgebildet war, sagte, daß die Trobriander die psychisch ausgeglichensten Menschen waren, die er je getroffen hat. Wir wissen, daß diese friedlichen Kulturen bis heute existiert haben, aber sie
wurden – und werden – an den Rand gedrängt und als ,Wilde“ oder „Heiden“ bezeichnet oder mit hundert anderen abwertenden Begriffen der patriarchalen Kulturen des „großen Gottes“, unserer Kultur: weil sie nicht wie wir die Kleidung trugen, um ihre Sexualität zu verstecken, weil sie ein natürliches Verhältnis zur Sexualität hatten. Es war eine Herabwürdigung dieser Menschen. Denn sie lebten mit der sich frei in ihren Körpern bewegenden Energie.
 
Daraus resultierte eine ganz andere Haltung der Natur gegenüber. Sie verehrten die Natur, sie fällten nicht die Bäume, sie erkannten Bäume als etwas, was mit ihnen in Beziehung stand. Wie könnte man einen Baum fällen, es ist als würde man
seinen Großvater töten. Die nannten tatsächlichen die großen, alten Bäume „Großvater-Bäume“
 
– ein ganz anderer Ethos als zum Beispiel in der christlichen Bibel, in der Gott den Menschen sagt, sie sollen sich die Erde unterwerfen, was dann als Rechtfertigung für jede denkbare Missetat gegen die Natur herhalten muß. Der Begriff „Saharasia“ bezieht sich auf diese Region, in der Verhalten und Kultur einerseits und die Umwelt andererseits miteinander korrelieren. Und das bezieht sich nicht nur auf die Vergangenheit, sondern auch auf die Gegenwart, denn auch heute sind diese Gebiete bewohnt von den
haßerfülltesten Menschen auf diesem Planeten. Man mag mir diese Aussage
übelnehmen, aber wir wollen es genau betrachten. Die Menschen, die heute in
Saharasia leben und an ihren Grenzen, sind die Menschen, die das viele Massenmorden
verantworten. Und wenn man sich die historischen Einflüsse ansieht, die Europa geprägt haben, inklusive der Nazizeit, kann das alles zurückgeführt werden auf zentralasiatische Einflüsse und die Einflüsse aus dem mittleren Osten.
Saharasia hatte einen grundlegenden Einfluß auf die Kulturgeschichte dieses Planeten. Die Philosophien der Völker, die sich im Mittleren Osten entwickelten, beeinflußten Europa in dramatischer Weise, aber sie beeinflußten auch Afrika im Süden der Sahara, sie beeinflußten Indien und China. Und wenn man in der europäischen, indischen und chinesischen Geschichte zurückgeht bis in die Periode, in der Saharasia feucht und bewaldet war, gibt es auch in diesen Gegenden keine Belege mehr für Kriege.
J.F.: Vor mehr als 6000 Jahren gab es auf der Erde also weder Wüsten noch
Kriege?
James DeMeo: In der Zeit vor 4000 v. Chr. existierten auf diesem Planeten keine Kriege und keine patriarchalen Kulturen. Und meine Forschung zeigt, daß die Gegenden, in denen die ersten Anzeichen für Trockenheit und Wüstenbildung auftraten, auch die ersten Gegenden waren, in denen sich kriegerische Kulturen bildeten. Worüber ich also hier in meiner Arbeit über „Saharasia“ spreche, ist eine grundlegende Erklärung für die Entstehung von Krieg und von patriarchalischen, autoritären Staats- und Familienstrukturen in einer Folge verschiedener Umwelteinflüsse, die wunderschöne, saftige Wald- und Graslandgebiete in harte, rauhe Wüsten verwandelten. Die Verbindung scheint zu sein, daß Hungersnöte auftraten, als das Land vertrocknete und die Menschen zu Völkerwanderungen zwang.
Hunger ist etwas, was Gesellschaften grundlegend zerstört. Wenn man sich z. B. Äthiopien und Somalia ansieht, in denen es seit Jahren schwere Hungersnöte gibt: Ganze Dörfer sterben und die einzigen, die überleben, sind Individuen, die sich aufmachen und woandershin emigrieren, die es schaffen, effektiver um ihr Leben zu kämpfen als andere. Sie sahen hilflos ihre Familien sterben und wenn der Regen und die Nahrung endlich wiederkommen, dann sind diese Menschen so geschädigt, als hätten sie eine Armee überlebt, die alles Lebendige ermordet hat. Sie haben eine Massenvernichtung überlebt und sind total schockiert, emotionell zerstört. Und dieser Schaden scheint wie jeder andere emotionelle Schaden durch die Erziehung an die nächste Generation weitergegeben worden zu sein. Reich beschreibt, wie Lust- und Angstreaktionen funktionieren, wenn die Energie in emotionell gestörten Menschen nicht mehr so gut pulsiert oder fließt:
 
Wenn die Kinder eine gewisse Lebendigkeit zeigen, reagieren die Eltern und es entsteht die Tendenz, das Kind so lange zu unterdrücken, bis es genauso verhärtet und reduziert ist wie die Erwachsenen.
J.F.: Wenn die Energie erst einmal in der Atmosphäre, im Individuum oder in der Gesellschaft stagniert ist, muß sie also durch Maßnahmen befreit werden?
Kann sie sich nicht selber befreien?
James DeMeo: Die Selbstbefreiung ist sehr schwierig. Zuerst muß es einmal ein Bewußtsein über das Problem geben. Man kann emotionell blockiert sein und zwanghaft seine Kinder schlagen, weil man meint, es wäre der angemessene Weg, ihnen Benehmen beizubringen. Es kann sehr helfen, wenn man darin geschult ist, sich darüber bewußt zu werden, daß man nicht die Kinder schlagen muß, um ihnen Folgsamkeit beizubringen, nur weil man selber blockiert ist. Es hilft noch mehr, wenn man sich einer Therapie unterziehen kann, um die Emotionen wieder in Bewegung zu bringen. Aber wenn der Schaden erst einmal da ist, ist das äußerst schwierig. Es gibt einfach nicht genügend gute Therapeuten. Selbst wenn fünf Prozent oder nur ein Prozent der europäischen
Bevölkerung Reichs Orgontherapie haben wollte… vergiß es, es gibt einfach nicht genug Leute, die Therapie geben könnten.
Die wirkliche Lösung ist Prophylaxe, die Vorbeugung gegen eine Panzerung in der nächsten Generation und das ist eine Frage der öffentlichen Erziehung.
Der Schutz von Müttern und Babies, der Schutz von Kindern vor Mißbrauch und die Schulung der Erwachsenen darin, daß bestimmte Verhaltensweisen von Kindern, besonders sexuelle Interessen wie Masturbation und sexuelle Neugier der Kinder, der Jungen und Mädchen füreinander, völlig natürlich sind. Das sollte nicht unterdrückt oder zerstört werden, wie es zum Beispiel die sind. Das sollte nicht unterdrückt oder zerstört werden, wie es zum Beispiel die Doktrinen des Papstes sagen. Man muß sich klar machen, daß der Papst einmal der heilige römische Kaiser war. Der Papst und seine Priester waren militärisch-diktatorische Machthaber, die Millionen von Menschen abgeschlachtet haben. Die katholische Kirche und alle christlichen Kirchen – durch ihre Abstammung von der ursprünglichen katholischen Kirche – haben viel Blut an den Händen. Sie massakrierten Millionen, mit Sicherheit viel mehr als Adolf Hitler. Während Deutschland diese Schuld anerkannt hat und Reparationen bezahlt hat, hat die katholische Kirche nie einen Pfennig bezahlt für die Millionen von Menschen, die sie abgeschlachtet hat. Und noch heute haben sie großen politischen Einfluß und sie predigen in der ganzen Welt gegen Empfängnisverhütung und gegen die Sexualität von
Jugendlichen und gegen Scheidung. Inzwischen weiß man wenigstens in den USA, daß katholische Priester kleine Jungen sexuell mißbrauchen. Einmal gab es einen herrlichen Vergleich in einer Fernsehsendung. Da wurde eine Gruppe von Priestern interviewt, die das Priesteramt verlassen hatte, um zu heiraten. Und eine zweite Gruppe von Priestern, die das Amt nicht aufgegeben hatten und die nicht verheiratet waren, wurde ebenfalls interviewt. Die Gruppe der verheirateten Priester waren wirklich gutaussehende junge Männer. Sie hatten strahlende Augen, einen lebendigen Blick, sehr vitale, sanfte
Charakterstrukturen. Sie waren voller Leben und volle Liebe für das Leben. Und natürlich waren diese jungen Männer aus der Kirche geworfen worden. Hingegen waren die katholischen Priester, die nicht geheiratet hatten, jene ödemischen, blaßhäutigen Typen mit fettigen Haaren, die schon wie Kinderschänder oder Alkoholiker aussahen. Also die pathologischste Sorte Menschen, die man finden konnte, die gegen die Sexualität von Frauen und die Sexualität von Kindern predigten. Ekelhaft. Diejenigen, die die Kirche führen müßten, werden hinausgeschmissen.
 
 
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