Hanf – eine uralte Kulturpflanze

Gepostet am Aktualisiert am

Die Wiederentdeckung und Rettung der alten Kulturpflanze Hanf

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verfasst von Hans Harress

Mehr als 12.000 Jahre lang war die Heil- und Kulturpflanze Hanf, ihr lateinischer Name lautet – Cannabis sativa, die in aller Welt am häufigsten angebaute Nutz- und Kulturpflanze. Die vielfältigen Nutz- und Heilanwendungen dieser Pflanze waren – und sind es immer noch – dermaßen umfangreich, dass ganze Industriezweige, unzählige Handwerksbetriebe, die große Mehrzahl der Bauern und viele Verbraucher und Nutznießer auf die Kultivierung und Verarbeitung dieser Pflanze angewiesen waren und ohne sie gar nicht hätten (über)leben können. Hanf spielte in allen Hochkulturen der Erde von Beginn an eine entscheidende Rolle als vielfältiger Rohstofflieferant. Funde beweisen, dass Hanf bereits vor 12.000 Jahren im alten Persien und in China bevorzugt als Getreide angebaut wurde. Die wertvollen Samen wurden gegessen, die Fasern zur Herstellung von Kleidung und Papier verwendet. Im Römerreich wurden wegen dieser Pflanze und ihrer Produkte später sogar erbittert Kriege geführt. Hanf wurde noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts und am Anfang 20. Jahrhunderts in ganz Europa angebaut und verarbeitet. Nach und nach verdrängten jedoch alternative und insbesondere preiswertere chemische Industrieprodukte, mit denen sich sehr viel mehr Geld verdienen ließen, die Erzeugnisse aus Hanf immer mehr, deren Anbau und Verarbeitung außerdem früher mit großem körperlichen Aufwand verbunden war. Durch eine ausgesprochene Verschwörung, wie es der herausragende und sehr gut informierte amerikanische Hanfforscher Jack Herer bezeichnete, an der sich in erster Linie die Chemie-Großkonzerne, dann zunehmend auch kooperierende Banken und schließlich die Ölindustrie westlicher Staaten vereint beteiligten, die sich mit den führenden Politikern zunächst in Amerika und dann in ganz Europa und auch in Deutschland eng verbündet hatten, wurden Produkte aus dieser Pflanze und speziell die aus ihr gewonnenen hochwirksamen und insbesondere nebenwirkungsfreien Naturheilmittel jahrelang systematisch verteufelt und kriminalisiert. Schließlich wurde ihr Anbau sogar unter schärfste Strafe gestellt, weil er nunmehr per Gesetz und Erlass kriminell geworden war.

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Die lustige Hanfbibel

(1942 / 1943 heraus gegeben)

http://de.scribd.com/collections/4049427/Hanf-Hemp-Faser-Apotheke-Energie

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Einleitung

Das deutsche Volk ist in der Welt
Vornehmlich auf sich selbst gestellt.
Zu oft getäuscht ward sein Vertrauen,
auf fremde Hilfe nur zu bauen.
Was heut es leistet, was es schafft,
verdankt es seiner eignen Kraft,
und diese Kraft wächst urgesund
aus deutschem Geist und deutschem Grund.

Jedoch der deutschen   S c h o l l e   Schoß
Schenkt nicht allein die Nahrung bloß.
In großer Menge spendet sie
Auch  R o h s t o f f  für die Industrie.

Zu solchem Rohstoff, hoch an Wert,
auch unser guter  H a n f  gehört!
Was er erbringt, wo man ihn baut,
und was man macht aus seiner Haut,
was man beim Anbau muß verstehen,
kann man aus dieser Fibel sehen.

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Erzeugnisse des Hanfbaues

Die Pflanze Hanf, groß und gewaltig,
ist in der Leistung vielgestaltig,
sie wächst ja höher als ein Mann
recht schnell und üppig auch heran.
Aus ihrem Leib, dem unversehrten,
sind alle Teile zu verwerten:
Der Faserstrang, der Same glatt,
der Holzteil und das schmale Blatt.
Ein jedes Stück ist angetan,
zu dienen dem Vierjahresplan!

Der Same, immer hoch an Wert,
zunächst das  S a a t g u t  uns beschert,
auch wird verzehrt als Lieblingsspeise
besonders gern er von der Meise,
denn ist von Hanf ihr Kröpfchen voll.
Wird laut ihr Lied und liebestoll.

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Den  H o l z t e i l  dieser großen Pflanze
Soll man nicht schlagen in die Schanze,
aus ihm lässt leicht sich fabrizieren
Belag, um Böden zu garnieren.
Auch liefert er Papier und Pappe
Und Leichtbaustoff und Wandattrappe,
auch kann aus ihm als weitre Sachen
Holzzucker man und Holzgas machen.

Jedoch das all verblasst sehr weit
Vor seiner  F a s e r  Brauchbarkeit.
Nur selten ist ein Seil zerronnen,
das aus dem Hanf zurechtgesponnen!

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Wer Wäsche seilt bei Wind und Wettern,
wer mit dem Bergseil hoch will klettern,
wer wegen will und feste binden,
wer segelt unter starken Winden,
wer mit dem Tau am Kai hantiert,
wer mit dem Strick den Bullen führt,
wer Pferde muß mit Lasso fangen,
wer will, daß Fisch´ im Netze hangen,
wer mit dem Schlauch bekämpft die Brände,
wer baumelt an des Schwimmgurts Ende,
wer auf Strickleitern klettert steil,
wer tanzt und turnt hoch auf dem Seil,
wer in dem Boxring, arg zerhauen,
sich retten muß zu Seil und Tauen,
wer abseilt tief in finstre Schächte –
d e r   n e h m e   n u r   d i e  H a n f g e f l e c h t e !

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Auch friedlicheres läßt sich spinnen
und aus dem Faserhanf gewinnen,
zum Beispiel: Teppich für die Wohnung
und Riemen für des Bauches Schonung.
Kommt´s Wochenend im Waldesschatten,
träumt es sich schön in Hängematten,
liegt man allein, so fern der Welten,
am Flusses Strand in kühlen Zelten,
wenn gegen Neugier, Sonn´und Wind
sie dicht aus Hanf gewebet sind.

Hanf gibt auch Drillich, Wäsche, Tücher,
und starken Einband für die Bücher,
auch Barchent, Gurte, Plane, Säcke –
kurz, Dinge für gar viele Zwecke!
E i n   H a n f g e w e b e   k a u m   v e r s c h l e i ß t ,
e i n   f e s t e r   H a n f s t r i c k   n i e   z e r r e i ß t !

Seite 9

Ausdehnung des Hanfbaues

So ist der Hanf es also wert,
dass man im Anbau ihn vermehrt,
zumal die Faser und der Samen
bisher meist aus dem Ausland kamen,
obwohl der Hanf auch allezeit
auf unserer Solle gut gedeiht,
denn noch vor sechzig Jahren trug
der deutsche Boden Hanf genug.*

So ist uns Hanf kein fremder Gast,
M a n   p f l a n z e   i h n ,  w o h i n   e r   p a ß t !
Doch sei, soll der Ertrag genügen
die Vorbereitung recht gediegen.
Der Hanfbau ist gewiß nicht schwer,
jedoch er geht   n i c h t   n e b e n h e r .
Du musst ihn, soll er dich erfreuen,
wie jede andre Frucht betreuen!

* Die Anbaufläche betrug 1878 rd. 21 000 ha, 1932 war sie auf
200 ha gesunken und stieg dann 1939 auf 16 000 ha an. Sie ist
während des Krieges noch weiter gestiegen.

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Eins muß jedoch beachtet bleiben:
Der Hanfbau darf   n i e m a l s   vertreiben
Die Brot- und Hackfrucht von den Flächen –
Ein solches würd´ sich bitter rächen!
Man geb´ dem Hanfbau dorten statt,
wo er den rechten Standort hat!
Wo diese Flächen sind zu finden,
das soll euch jetzt die Fibel künden!

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Boden und Standort

Hanf wächst – das stehe hier zuvor –
Am besten auf dem   N i e d r u n g s m o o r ,
das ihm, da humusreich und feucht,
als   i d e a l s t e r   S t a n d o r t   deucht.
Es braucht der Hanf, der böse Prasser,
in seinem Leben recht viel Wasser,

das mit der tiefen Wurzel Mund
er saugt aus Moores frischem Grund.

Jedoch, so sehr er Wasser liebt,
z u v i e l   an Wasser ihn betrübt,
denn, ist der Boden stauend naß,
dann bleibt der Hanf recht klein und blaß.

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Wer Hanf baut auf der Moore Flur,
treibt ferner echte   M o o r k u l t u r ,
denn eng begrenzt ist hier die Wahl
in unsrer Nutzgewächse Zahl:
der Moorwirt baut Kartoffeln, Kohl,
zuweilen auch Getreide wohl,
auch etwas Mais und Futterknollen –
Viel mehr ist nicht im Moor zu wollen!

Und ist der Saatauflauf geglückt,
wird er vom Unkraut arg bedrückt,
man hackt und hackt, ohn´ Rast und Stocken,
das Moor wird dadurch dürr und trocken.
Die Feuchtigkeit gar schnell verfliegt,
das Moor wird mullig und verfliegt.
Auch wird des Moorwirts Müh´ und Walten
Stets durch das Unkraut aufgehalten.

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Texte der Sprechblasen: “Hilfe” und “Wir ersticken!”

Hier springt der starke H a n f allein
als   R e t t e r   f ü r   d a s   M o o r l a n d   ein.
Er wächst sehr schnell und groß heran
weist der Kultur die rechte Bahn,
denn jede Frucht sich froh gestaltet,
wenn Hanf im Wechsel eingeschaltet,
er gibt dem Acker Schirm und Schatten,
bringt schnell das Unkraut zum Ermatten,
er hält des Moores Spätfrostgefahr,
die krümmt dem Hanf kein einzig Haar.

Seite 14

Auch Grünland in dem Moorgebiet
Ist im Ertrag oft karg und müd´,
hier wird, sofern es gut entwässert,
durch Hanf die Leistung schnell verbessert.
K u r z u m ,   d i e   M o o r k u l t u r   e r h ö h t ,
w e r   a u f   d e m   M o o r   m e h r   H a n f   a u s s ä t !

Und auch auf manchen andren Flächen
beseitigt Hanf des Bodens Schwächen,
sofern zuvor, ob Tal, ob Hügel,
man gut gesenkt den Wasserspiegel.*

Wo das Getreide häufig lagert,
durch Frost, Rost oder Unkraut magert,
wo frischgebrochner Wiesenboden,
wo man den dichten Wald tat roden,
wo Wiesentäler gut drainiert,
wo einst ein Flußarm hergeführt,
wo Land man schuf aus Seen und Teichen –
da ist mit Hanf was zu erreichen!

* Der Grundwasserspiegel soll vor der Saat auf etwa 50 bis 80 cm
tief gesenkt sein.

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Fruchtfolge und Vorfruchtwert

Das Vorgesagte lässt ersehen,
auf welchen Böden Hanf soll stehen,
und an die Vorfrucht auf dem Feld
er nur geringen Anspruch stellt.
Er steht nach Hackfrucht, Korn, Gemüse,
auch gern nach Weide oder Wiese.

Der schatt´ge Hanf, und das ist klar,
stellt selbst die beste Vorfrucht dar,
denn sein Bestand, groß, breit und dicht,
erwürgt des Unkrauts schlimm Gezücht.
er lässt, wenn er vom Acker weicht,
zurück ihn sauber, gar und feucht.

Seite 16

Nach Hanf fühlt, frei von allen Sorgen,
Getreide sich recht wohl geborgen.

Auch Hackfrucht, die dem Hanf folgt nach,
bringt hohe Ernten allgemach,
und auch die Grassaat, zart und fein,
legt gern sich in sein Bett hinein.

K u r z , j e d e   S a a t   i n   H a n f e s   F e l d
b r i n g t   r e i c h e   E r n t e n ,   r e i c h e s   G e l d !

Und eines noch, was nicht alltäglich:
Hanf ist auch mit sich selbst verträglich;
Wenn man auf gleichen Feld ihn bringt,
sein Anbau dennoch gut gelingt.

Seite 17

Bodenbearbeitung

Der Hanf, der ist kein Krumenhocker,
er liebt ein   S a a t f e l d   tief und locker,
aus dem mit seiner Wurzel Schaft,
er kräftig sich die Nahrung rafft,
um dann in jugendlichem Walten
sein üppig Wachstum zu entfalten.
Um diesem Anspruch zu genügen,
soll tief im Herbst das Feld man   p f l ü g e n .

Soll unser Hanf auf   G r ü n l a n d   stehen,
musst du im Herbst zum Umbruch gehen,
damit der Frost füllt jede Lücke
und sprengt den Boden mürb in Stücke.

Im Frühjahr sollst du dich beeilen,
die alte Narbe zu zerteilen,
hier ist, um gut es zu vollenden,
die   S c h e i b e n e g g e   zu verwenden.

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Je feiner Egg´ und Scheibenmesser
Die Klumpen schneiden, um so besser!
Sind klein die dicht verfilzten Narben,
dann braucht die Hanfsaat nicht zu darben.

Will man den Boden gut bereiten,
nehm´ man die   W a l z e   auch beizeiten.
Mit ihrem schwersten Exemplar
macht sie den Acker mürb und klar.
Man nehm´ zuerst die Walze vor
besonders auf dem Niedrungsmooor,
weil dessen lockeres Gefüge
gefestigt wird dann zur Genüge.
Die Walze gibt dem Boden Schluß,
das ist dem Hanf ein Hochgenuß;
er möchte mit der Zunge schnalzen –
so dankbar ist er für das Walzen!

Seite 19

Die Düngung

Wer schnelle wächst vom Kind zum Knaben,
muß gut und reich zu essen haben,
daß Säfte sammeln Blut und Bauch –
so ist es mit dem Hanfe auch!
Es muß, soll er recht schnell gedeihn,
viel Nahrung ihm verfügbar sein,
und, da sein Appetit enorm,
auch in leicht aufnehmbarer Form.

Will man ihm gute Nahrung bringen,
muß man ihn stark mit   S t i c k s t o f f   düngen,
wofür er sich recht dankbar zeigt
und niemals auch zum Lagern neigt.
Auch  K a l k , in mancher Forum gegeben,
befördert schnell und stark sein Leben,
desgleichen will hinreichend haben
er K a l i – und auch  P h o s p h o r g a b e n ,*
die seinen hohen Stengelteilen
verhelfen zu reicht starken Seilen.

* Man gebe etwa 3 bis 4 dz Phosphorsäure und 40 %iges Kali je ha.

Seite 20

Auf eines aber habe acht,
daß früh der Dünger ausgebracht!
Die beste Zeit ist vor der Saat,
damit der Dünger Muße hat
sich noch vor den Bestellungszeiten
reicht fein im Boden auszubreiten.

Den Dünger auf den Kopf zu streuen,
das kann den Hanf nur selten freuen,
weil dieser ihm nur wenig frommt,
da er zu spät zur Wirkung kommt.
Ist schlecht sein Wuchs an Blatt und Stengeln,
dann liegt das meist an andren Mängeln;
zum Beispiel, dass die Nässe staut,
daß ward der Boden arg versaut,
daß fehlt dem Acker guter Schluß,
wodurch der Hanf nicht kommt zum Schuß.
Kopfdüngung aber hilft hier nie
und bleibt verlor´ ne Liebesmüh´!

Seite 21

Auch   S t a l l m i s t   kann, im Herbst gegeben,
des Hanfes Wachstum kräftig heben,
weil der Bakterien große Schar
ihm bietet reiche Nahrung dar.

Doch, welcher   D ü n g e r   auch genommen –
er muß   f r ü h   i n   d e n   B o d e n   kommen,
denn was hilft allen Düngers Pracht,
wenn´ s Wasser ihn nicht löslich macht!

Drum streue früh die Düngergabe,
das ist dem Hanf die liebste Gabe,
dann wächst er in recht kurzer Zeit
zu ausgedehnter Üppigkeit!

Seite 22

Sorte und Saat

Soll Hanf genügen im Ertrage,
beacht´ man auch die Sortenfrage:
der späte Hanf wird selten trocken,
trotz noch so schön gebauter Hocken.

Die   d e u t s c h e n   S o r t e n , durchgezüchtet,
sind alle   f r ü h r e i f   ausgerichtet,
sie sind vor jeder Auslandssaat
drei Wochen früher reif zur Mahd.
Auch sollst zu solcher Sort´ du greifen,
bei der die Samen sicher reifen,
und die nebst guten Fasersträngen
auch bringen reiche Samenmengen.

Seite 23

Daß finde unser Hanf im Moor
zur Keimung reichlich Wasser vor,
sä´ mit der Drillmaschin´ ein jeder
auf Tiefe von   f ü n f   Z e n t i m e t e r ,
dann kann dich auch kein Vogel narren
und ihn frech aus dem Boden scharren!
Ist so die Saat sorgsam bestellt,
führ noch die Egge übers Feld,
und dann zum Schluß ein Walzenstrich –
so ist der Saat gedeckt der Tisch!

Zur   A u s s a a t   gehe mit Frohlocken,
sobald der Boden warm und trocken.
Hält Auslanssaat man nur bereit,
ist´s End´ April so an der Zeit,
doch Mitte Mai ist´s nicht zu spät
wenn man nur deutsche Sorten sät.

Seite 24

Von Wichtigkeit beim Säenswerke
Ist auch die rechte   A u s s a a t s t ä r k e.
Die   d i c h t e   S a a t   bringt Ackerreinheit
Und ganz besondre Stengelfeinheit.
Wenn Stengel hoch und dünn gelingen,
sie auch die beste Faser bringen.

Doch schieße man nicht übers Ziel,
denn ungesund ist allzu viel,
bei wahllos draufgesäten Mengen
die Pflanzen alle sich bedrängen.
Drum drille man, sonst wird es pleite,
auf etwa   z w a n z i g   R e i h e n w e i t e
und bring an Saat dem Boden dar
s o   a c h t z i g   K i l o   je Hektar!

Seite 25

Texte in den Sprechblasen:

“Pflege nicht nötig!” “Mach du Feierabend.”
“Unkraut erledigen wir selbst.”

Die Pflege

Kaum sind drei Wochen erst verflossen,
ist schon der Acker dicht geschlossen,
und was das Feld an Unkraut birgt,
wird durch den Hanf schnell abgewürgt.
Drum ist auch auf des Moores Land
die Pflegearbeit kaum gekannt.

Baut man den Hanf auf bind´gem Boden,
soll hacken man und Unkraut roden,
doch rühre man hier schnell die Hände,
sonst sind zu groß schon die Bestände!

Seite 26

Die Ernte

Schon geht der Sommer durch das Land,
schnell reift des Hanfes Samenstand,
dann mählich sanft von unten her
die Körner werden reifeschwer.
Willst taubes Korn du hier vermeiden,
darfst du den Hanf jetzt noch nicht schneiden,
erst wenn der halbe Samenstand
erhält ein reif-graubraun Gewand,
und wenn die Körner prall sich füllen
und schaun aus ihren Blütenhüllen,
und wenn der Same bräunt sich fein –
d a n n   will der Hanf geerntet sein!
Willst du die Ernte schnell vollführen,
musst du sie wohl mechanisieren;
es eignet sich auf manchem Schlage
die Mähmaschin´ mit   H a n d a b l a g e ,
selbst bei dem Hanf mit großer Länge
kommt man dabei nicht ins Gedränge.

Seite 27

Der Nachteil doch bei dem Geschäfte:
Man braucht noch viele Arbeitskräfte,
die binden müssen und sich regen,
den Hanf schnell aus der Bahn zu legen.

Es spart viel Arbeit, Zeit und Kraft,
wer mit dem   B i n d e m ä h e r   schafft,
er ist jedoch nur zu verwenden
bei kleingewachsenen Hanfbeständen,
drum schufen unsere Erfinder
in Deutschland einen   H a n f m ä h b i n d e r ,
der sauber, schön und unentwegt
den größten Hanf zu Boden legt,
mit dem sich nebenher aufs best´
auch das Getreide mähen lässt.

Damit die Ernte schnell wird trocken,
stellt sorgsam man den Hanf auf   H o c k e n ,
auf daß der Haufe schön sich runde,
mach´ man an sechzehn Garbenbunde,
wenn fest sie aufgerichtet sind,
dann trotzen sie dem stärksten Wind.

Seite 28

Lagerung und Drusch

Die Faserteile schnell zergehen,
lässt man zu lang´ die Hocken stehen,
sie können äußerst schlecht vertragen
den Regen in des Herbstes Tagen:
die Fasern schrumpfen und verleimen,
die Körner fangen an zu keimen,
auch picken sie die Vögel aus –
drum fahr den Hanf recht bald nach Haus!
Doch mangelt hierzu Raum und Zeit,
mach eine Miete dann bereit *
mit hoch und steil gestellten Traufen,
dann wird der Regen abwärts laufen!

Der Hanf in Mieten oder Scheunen
Muß nun im   S c h w i tz p r o z e ß   sich bräunen,
dies Stadium in seiner Bahn
hält fast sechs ganze Wochen an,
doch heilsam ist ihm diese Kur,
weil auch das Korn, das halbreif nur,
jetzt erst des Daseins Zweck begreift
und schön zu vollem Samen reift.

So ward vollbracht sein kurzes Leben –
Erwünscht ist, jetzt abzugeben
den Hanf mit Samen und mit Stengel,
das spart viel Arbeit und Gedrängel.
Doch wo man nicht gleich liefern kann,
fang man den Hanf zu   d r e s c h e n   an.

* Grundfläche 30 X 12 m, Höhe 10 m. Mietensohle ist nach innen
eingezogen, um Fäulnis durch Traufwasser zu vermeiden.

Seite 29

Jedoch mit dem normalen Drescher
Da gäb es Splitter, Scherben, Brecher,
weil der Maschine Hals und Magen
das Hanfgebund nicht kann vertragen.
Dem Drusch des Hanfes heute dienen
die Hanfdresch-Spezialmaschinen.

Und blieb der Samen auf der Strecke,
füll´ man ihn keineswegs in Säcke,
er würde furchtbar sich erhitzen
und jetzo sich zu Tode schwitzen,
du musst vielmehr nach alter Sitten
ihn sorgsam auf den Boden schütten *
und durch der Hände fleißig Walten
ihn schaufeln und lebendig halten,
was anfangs er in seiner Lage
verlangt an jedem zweiten Tage.
Um das Zertreten zu vermeiden,
soll man die Schuh mit Filz bekleiden.
Derselbe Zweck wird auch erfüllt,
wenn sie mit altem Sack umhüllt.

Hanfsamen ist erst   l a g e r f e s t ,
wenn ihn die Feuchtigkeit verlässt,
das heißt, wenn sank zum guten End´
die Feuchtigkeit auf acht Prozent!

* In etwa 25 cm Höhe.

Seite 30

Ablieferung und Preis

Des Hanfes weiteres Geschick
vollzieht sich in der Hanffabrik,
mit ihr, zwecks Absatz und Verkauf,
nimm zeitig die Verbindung auf!

Ist die Fabrik in nahen Lagen,
dann lad den Hanf auf deinen Wagen
und fahre selber, gut gebunden,
das Hanfstroh hin in ein paar Stunden,
nur Hanf, von ferne hergebracht,
erhält vergütet seine Fracht. *

* Die Bahnfracht wird gewöhnlich erst bei einer Entfernung von
10 km vergütet.

Seite 31

Ein jeder, der heut Hanfbau treibt,
nie auf den Stengeln sitzen bleibt,
weil Hanf zu aller Nutz und Frommen
wird einem jeden abgenommen.

Wie´s nach der Ordnung sich gebührt,
ist auch ein Festpreis garantiert,
wobei die gute Qualität
auch höher noch im Preise steht.
Drum soll ein jeder danach sinnen,
nur beste Faser zu gewinnen!

So bringt der Hanf, der groß und stark,
viel Rohstoff uns und manche Mark!

W e r   H a n f   h e u t   b a u t   m i t   f l e i ß ´g e r   H a n d ,
h i l f t   s e l b s t   s i c h   u n d   d e m   V a t e r l a n d !

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