Korruption in Italien – 25,5 % der Italiener wählen konsequent

Gepostet am Aktualisiert am

jo on März 5th, 2013

Beppe Grillo - Bild: Wikipedia

Beppe Grillo – Bild: Wikipedia

erschienen bei Propagandafront

von Wolf Richter

Der ehemalige italienische Senator Sergio De Gregorio bestätigte am Wochenende, dass er von Silvio Berlusconi in 2006 bestochen wurde. „Der Cavaliere bezahlte mich“, sagte er La Stampa freimütig. EUR 3 Millionen sind ihm gezahlt worden. „Natürlich habe ich das Geld genommen, was ich gegenüber den Staatsanwälten auch klargestellt habe“, so De Gregorio.

Entsetzlich frustriert angesichts dieser Art alltäglicher Zurschaustellung der Korruption in ihrem Land wählten 8,7 Millionen wütende Italiener aus allen Gesellschaftsschichten Beppe Grillo’s 5 Sterne Bewegung.

Und obwohl 25,5% aller Stimmen nicht ansatzweise ausreichend sind, um Italien zu regieren, ohne dabei nicht auch einer Koalition anzugehören – was Grillo bisher abgelehnt hat –, sind es genügend Stimmen, um beim politischen Establishment Italiens für hysterische Anfälle zu sorgen. Und es zeigt, dass Wut und Frustration am Ende doch zählen.

„Die bestehende politische Klasse muss umgehend vertrieben werden“, sagte Grillo der New York Times. Daher auch seine Weigerung, eine Koalition zu bilden. Er will, dass das politische System kollabiert. Darauf könnte er dann „etwas Neues“ aufbauen, etwas wirklich Demokratisches. „In den Händen respektabler Menschen können wir alles ändern“, führte er dazu aus.

Aber ist es nicht rücksichtslos, zu versuchen, das System zu vernichten?

„Wie können wir beschuldigt werden, etwas zu zerstören,
was bereits zerstört ist ?“
 

fragte er. „Sie haben unser Land verschlungen und jetzt können sie nicht mehr regieren.“ Er bezeichnete Berlusconi von der PDL als einen „Psychozwerg“ und Pier Luigi Bersani, den Führer der linksgerichteten Demokratischen Partei, als „lebenden Toten“.

Italiens politisches System würde zusammenbrechen, sagte er dem deutschen Magazin Focus. „Ich gebe den alten Parteien noch sechs Monate – und dann ist hier Schluss.“ Bei den kommenden Wahlen könnte die 5-Sterne Bewegung genügend Stimmen bekommen, um zu regieren … und das Haus zu säubern.

Und er forderte eine Neuverhandlung über Italiens Schulden: „Wir werden erdrückt – nicht von dem Euro, sondern von unseren Schulden.“ Eine Regierung könne genauso bankrottgehen wie ein Unternehmen. Die Anleger hätten dann einfach „Pech“ gehabt. Sie sind das Risiko eingegangen und haben verloren, so Grillo, der eine Ausbildung zum Buchhalter gemacht. Und würden die Bedingungen nicht geändert, fügte er hin, würde Italien den Euro verlassen und zur Lira zurückkehren.

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