Von Esprit zum Biobauern

Gepostet am Aktualisiert am

http://www.bio-markt.info/web/Aktuelle_Kurzmeldungen/Landwirtschaft/Doug_Tompkins_bio/15/26/0/14111.html

Doug Tompkins stellt seine Öko-Aktivitäten vor
 
doug tompkins

Quelle: General Anzeiger

Der Gründer von Esprit und North Face, Doug Tompkins, stellte kürzlich im Bundesamt für Naturschutz seine argentinische Bio-Farm vor, berichtet der General Anzeiger. Tompkins widmet sich seit dem Verkauf seiner Unternehmen vor rund 20 Jahren dem Naturschutz und der biologischen Vielfalt. Tompkins war auch auf der BioFach bei der Ehrung der „Besten Bio-Läden“ und gab ein Interview in der aktuellen Schrot und Korn.

Der Unternehmer hat inzwischen mehr als eine Million Hektar Land in Argentinien und Chile gekauft, um sie in Nationalparks umzuwandeln. Der Schlüssel zu einer ökologischen und sozialen Wende liegt für Tompkins jedoch in der Landwirtschaft. Tompkins kauft abgewirtschaftete Farmen auf, um die Landschaft zu regenieren.

Auf seiner Farm Laguna Blanca wurden beispielsweise Terrassen angelegt, um die Erosion zu bekämpfen. 1700 Hektar der insgesamt 3000 Hektar großen Farm werden bebaut. Die übrige Fläche dient dazu, die Vielfalt heimischer Pflanzen und Tiere zu erhalten. Auf Tompkins‘ Farm gibt es Hühner, Schafe und Bienenstöcke, außerdem werden neun Sorten Getreide angebaut, dazu Hülsenfrüchte, verschiedene Sorten Obst und Nüsse.

http://www.schrotundkorn.de/2013/201303b01.php

Doug Tompkins …
arbeitet als Bio-Bauer an seiner dritten „Welt“karriere. Vom Hippie und Outdoor-Freak wurde er zum Designer Star und einem der erfolgreichsten Modeunternehmer.

Seit vielen Jahren lebt er mit seiner Frau Kris in Patagonien, wo beide riesige Landflächen – inzwischen weit über eine Million Hektar – aufkaufen, die sie zu Nationalparks mit verhaltenem Öko-Tourismus ausbauen. Da Doug Tompkins und seine Frau nicht an Landbesitz glauben, geben sie die Parks dem Staat … wenn er sich verpflichtet den Nationalparkstatus für wenigstens 100 Jahre zu garantieren.

Seit einigen Jahren engagiert sich Doug als „Landheiler“ mit dem Aufkauf abgewirtschafteter Farmen, die er zu neuer (Öko-)Blüte bringt.

 
 
 
„Wir wollen auch Schönheit schaffen“

Doug Tompkins gründete NorthFace und machte Esprit zu einem Weltkonzern. Er verkaufte das Mode-Imperium, wurde Naturschützer – und Bio-Bauer mit ästhetischem Anspruch. // Bernward Geier (Fotos: Luise Frank/Eduardo Choren)

Was war der Anlass, dass Sie vor 20 Jahren einen radikalen Schnitt in Ihrem Leben machten und nicht einfach mit Esprit weiter reich wurden?

Meine Eltern haben mir mitgegeben, dass man alles mit Freude macht. Wenn dem nicht so ist, sollte man es besser bleiben lassen. Mir wurde klar, dass ich viel mehr Freude an den Dingen hatte, die außerhalb meines „Business“ lagen. Es war eine bewusste Entscheidung, die Modewelt hinter mir zu lassen, in der ich Dinge machte, die niemand wirklich brauchte. Ich hatte realisiert, dass der Konsumwahn eine der entscheidenden Ursachen für die große Krise der Biodiversität ist.

 Die Schönheit der Farm Laguna Blanca hat unseren Autor Bernward Geier beeindruckt. Farm Laguna Blanca
 

Und diese Erkenntnis führte Sie zum biologischen Landbau?

Ja, aber leider spät. Wenn ich ein zweites Leben hätte, würde ich sofort Bio-Bauer werden. Auch, weil ich realisiert habe, dass es keinen Weg aus den ökologischen und sozialen Krisen gibt, wenn wir nicht einen Paradigmenwechsel in der Landwirtschaft schaffen. Denn Landwirtschaft hat ja den größten Einfluss auf Landschaft, Wasser und Klima.

Ist ein solcher Paradigmenwechsel überhaupt noch möglich?

Für mich ist es keine Frage der Möglichkeit. Er ist eine unabdingbare Notwendigkeit. Zunächst brauchen wir jedoch einen kulturellen Paradigmenwechsel. Dazu kommen muss eine andere Ökonomie, die vor allem die externen Kosten mit einbezieht. Wenn dies gelingt, werden immer mehr Bauern zu biologischen Wirtschaftsmethoden wechseln.

Wo sehen Sie das größte Problem in der konventionellen Landwirtschaft?

Als Modell für die Landwirtschaft haben wir heute das Prinzip „Maschine statt Natur“. Das ist leider ein Erbe der sogenannten Aufklärung und der wissenschaftlichen Revolution des Reduktionismus. Es hat uns in die Technologiefalle geführt. Das gilt übrigens für alle „Errungenschaften“ der Zivilisation, sei es die Medizin, Architektur, Kommunikation oder der Kapitalismus.

Wie setzen Sie und Ihr Team den biologischen Landbau in der Praxis um?

Angesichts der Monokulturen und dem industriellen Landwirtschaftswahn sind mein Ziel Farmen der Vielfalt.

Wir teilen unsere relativ großen Farmen in kleinere Einheiten, zum Beispiel für Obst- und Nutzbaumanlagen, Feldkulturen und Tierhaltung. Dabei wird immer ausreichend Land als Schongebiet für Biodiversität freigehalten. Dadurch entstehen harmonische und bunte Landschaften, die das Potenzial von ökologischem Landbau erfahrbar machen.

Meine Leidenschaft ist es, als „Landheiler“ gesunden Mutterboden zu entwickeln. Und ich liebe die Herausforderung des ganzheitlichen Managements im biologischen Landbau.

Welches sind die besonderen Herausforderungen, Bio-Landbau auf großer Fläche zu betreiben?

Agrarökologie kann sicher einfacher in kleineren als in großen Dimensionen praktiziert werden. Grundsätzlich sollte die Landwirtschaft auch wieder in viel kleineren Einheiten organisiert werden. Vor allem, weil der Mensch nach wie vor eine zentrale Rolle in ihr hat. Ergo gibt es Grenzen des Machbaren. Unsere Farmen sind in der Tat groß. Doch bei uns gibt es trotzdem eine enorme landwirtschaftliche und auch biologische Vielfalt. Auf Sicht wird es große Farmen so nicht mehr geben. Wir sind in einer Phase, wo die Landwirtschaft neu gedacht, definiert und praktiziert wird. Resultat ist schon jetzt ein beeindruckendes Wachsen der biologischen Landbaubewegung. Auf Laguna Blanca und unseren anderen Farmen befinden wir uns in einem strategischen Moment und akzeptieren, dass wir zurzeit noch Kompromisse machen müssen, die wir in 20 oder 30 Jahren sicher nicht mehr machen.

Mit Laguna Blanca haben Sie die schönste Farm geschaffen, die ich je gesehen habe. Was braucht man, um eine solche Harmonie, Ästhetik und bunte Vielfalt zu kreieren?

Dieses Lob hören wir nicht zum ersten Mal, und es ist uns Ansporn. Eigentlich ist es einfach, schöne Farmen zu schaffen. Wir haben das inzwischen auf 20 Betrieben in Argentinien und Chile realisiert. Ausgangspunkt für uns ist, dass nur eine schöne Farm eine gute Farm ist. Deshalb achten wir darauf, dass mit jeder Maßnahme die Farm auch schöner wird. Das schließt nicht aus, dass wir auch auf funktionale Qualitäten achten. Egal ob man einen Zaun zieht, eine Scheune baut, eine Obstanlage oder einen Garten plant, einen Weg anlegt oder „nur“ die Farbe für Gebäude wählt – all diese Dinge gestalten wir unter dem Gesichtspunkt der Ästhetik und mit dem Ziel, auch Schönheit zu schaffen. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Aspekt der „Fürsorge“. Für mich gibt es nichts Schöneres als ein gepflegtes Haus oder eine gepflegte Farm. Es gibt eine kreative Wechselwirkung zwischen Stolz und Sorgfalt. Stolz können wir sein, wenn wir sorgfältig arbeiten und die Sorgfalt kreiert die Schönheit. Leben ist eine Freude und wir müssen es schaffen, dass unsere Arbeit zur reinen Freude wird.

Sehen Sie eine gewisse Zwangsläufigkeit für Ihren Ausstieg vom Modedesigner zum Naturschützer und Bio-Bauer?

Ich bin auf einer kleinen Farm im Bundesstaat New York aufgewachsen. Ich habe sehr viel von meinem Vater gelernt, der unter anderem ein fantastisches Auge für Proportionen und Design gepaart mit handwerklichem Können hatte. Von ihm habe ich auch den hohen Anspruch an Qualität. Diese besondere Sicht der Dinge übertrage ich nach meinem Leben in der Modewelt nun auf die Landwirtschaft, die Architektur und Landschaftsgestaltung, denn die Landwirtschaft hat für die Sicherung der Zukunft oberste Priorität.

Wo sehen Sie die Landwirtschaft in 20 Jahren, wenn Sie Ihren 90. Geburtstag feiern?

Ich sehe den Paradigmenwechsel, denn die agro-ökologische Bewegung kann nicht mehr aufgehalten werden. Es wird sicher noch den einen oder anderen Rückschlag geben. Aber aus denen lernen wir und nutzen sie zur Beschleunigung des Wechsels. Ich habe diese Sicherheit, weil ich überzeugt bin, dass die chemisch-industrielle Landwirtschaft zusammenbrechen wird. Auch weil Regulierungen und Gesetze zum Umweltschutz strenger werden, wird der Bio-Landbau die industrielle Landwirtschaft verdrängen. Darüber werde ich mich an meinem 90. Geburtstag sehr freuen!

Laguna Blanca (German Subtitles)

http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=Ib-VrM4Qbvc#!

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