Jesus brauchte keinen Pomp

Gepostet am Aktualisiert am

Wir sind nicht mehr Papst
Montag, 11. Februar 2013 , von Freeman um 22:00

Um 12:00 Uhr sass ich gerade im Auto als ich die Meldung aus dem Radio hörte, um 11:57 Uhr hätte der Vatikan den Rücktritt des deutschen Papst Benedikt XVI für den 28. Februar verkündet. Ich war von dieser Nachricht überrascht, denn nach meinem Verständnis handelt es sich um ein Amt auf Lebenszeit. Tatsächlich liegt es schon über 700 Jahre zurück, dass ein Papst „freiwillig“ zurückgetreten ist. Zuletzt war es Coelestin V. im Jahr 1294 der sechs Monate nach seiner Wahl bereits sein Amt niederlegte (musste). Interessant ist, sein Nachfolger Bonifaz VIII. verhinderte den Rückzug ins Mönchsleben und sperrte ihn bis zu seinem Tod anderthalb Jahre später in einer Burg ausserhalb von Rom ein. Wünschen wir Herrn Ratzinger oder wie sich der Papst AD nennen wird nicht das selbe Schicksal durch seinen Nachfolger. Schon damals waren Päpste nicht besonders christlich, sondern es ging um Macht und Entfernung von Rivalen.

Obwohl ich kein Katholik bin, erlaube ich mir als Christ meinen Kommentar zum Rücktritt abzugeben:

Was mir sofort als Gedanke einfiel als ich die Nachricht hörte war, er sieht eine Gefahr auf sich selber, dem Vatikan, der katholischen Kirche oder sogar auf die Welt zukommen, die ihn überwältigt und die er nicht bewältigen kann. Das kommt für mich auch in der Begründung zum Ausdruck: „Ich habe nicht mehr genug Kraft für mein Amt“. Diese Kraft habe in den vergangenen Monaten „in mir derart abgenommen, dass ich mein Unvermögen erkennen muss, den mir anvertrauten Dienst weiter gut auszuführen“, heisst es in der Erklärung. Nur, vor dieser Situation, im hohen Alter und schlechter Gesundheit das Amt des Kirchenoberhauptes führen zu müssen, standen schon viele andere vor ihm und sie sind deshalb nicht zurückgetreten. Warum er jetzt? Da muss es mehr an „grossen Problemen“ geben für die er keine Kraft mehr hat.

Wir können nur spekulieren über was die wirklichen Gründe sein könnten. Wurde er bedroht, weil er den Befehlen gewissen Mächten nicht folgt? Will diese Macht ihn durch einen gehorsamen Amtsträger ersetzen? Oder sieht er Sturmwolken aufziehen und meint, er wird das Schiff der Kirche nicht heil durchbringen können? Will er Platz machen für eine jüngere und kraftvollere Person, die dem eher gewachsen ist? Wir werden es sehen an dem wer sein Nachfolger wird, wie dieser das Amt prägt und was noch dieses Jahr alles passiert.

Für mich ist er sowieso „nur“ der Bischofs von Rom, (er nennt sich auch selber so) und nicht unbedingt der „unfehlbare“ Nachfolger von Petri. Wenn ich nämlich die Aussagen, Predigten und Botschaften von Jesus genau interpretiere, finde ich darin keinen Hinweis, er wollte eine Kirche haben. Ganz sicher keine die zu dem geworden ist so wie sie ist, mit solchen Leuten als seine Vertreter. Jesus war ein Rebell der sich zu Lebzeiten gegen eine institutionalisierten Glauben wehrte und die alleinige Autorität Gottes Wort durch die Priesterschaft zu verkünden oder zu interpretieren scharf kritisierte. Das war ja genau sein Verhängnis und er wurde deshalb als „Gotteslästerer“ getötet.

Er hat auch sehr wenig von diesem ganzen Hokuspokus um und in den Tempeln gehalten. Das einzige Mal wo Jesus richtig zornig und gewalttätig wurde war, als er bei der Tempelreinigung sich eine Geissel aus Stricken geflochten hat, damit alle Geldwechsler und Händler samt ihren Schafen und Rindern aus dem Tempel hinaus trieb, die Tische umschmiss, das Geld der Wechslern dabei verschüttete und laut rief: „Schafft das weg von hier! Macht das Haus meines Vaters nicht zu einem Kaufhause!‘ Und er fügte hinzu: „Steht nicht geschrieben: ‚Mein Haus soll ein Bethaus heissen für alle Völker‘? Ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht.“

Die meisten Predigten hat Jesus sowieso unter freien Himmel abgehalten und nicht in Tempeln. Ich glaube nicht, dass er sich in einem heutigen „Gotteshaus“ wohlfühlen würde, speziell in keinem das voller Prunk und Gold ist und nur die weltliche Macht und den Reichtum der Kirchenfürsten und königlichen Stifter zeigen soll. Die Kathedralen sind doch nicht gebaut worden, um die Grösse Gottes zu zeigen, sondern die der damaligen Machthaber. Um die Grösse Gottes zu sehen und zu erkennen muss man nur die Grösse des Universums betrachten, das unbegreiflich und unendlich ist.

Wenn man sich das Thomasevangelium durchliest, was ja angeblich noch zu Zeiten wo Jesus gelebt hat niedergeschrieben wurde oder kurz danach, dann sagt Jesus, keine formelle Kirche ist notwendig um ein Christ zu sein. Deshalb wurde auch dieses Evangelium von praktisch allen christlichen Kirchen zur Häresie erklärt und verbannt. Würde es doch ihre ganze Existenz in Frage stellen und überflüssig machen. Auch das Beten, die Kommunizierung mit Gott und die Interpretierung von Gottes Wort, hat er ganz klar „liberalisiert“ und für alle zugänglich gemacht. Das widerspricht aber dem Monopol und Alleinvertretungsrecht der Kirchen.

Es war nämlich so, bis zu der Zeit von Jesus war die Kommunikation mit Gott oder den Göttern exklusiv den Priestern vorbehalten. Die Normalbürger durften gar nicht mit ihm oder ihnen reden. Nur die Priester hatten die selbst gegebene „Fähigkeit“ zu kommunizieren und verkündeten dann was sie als Botschaften von Gott oder den Göttern „mitgeteilt“ bekommen haben. Dieses Recht nutzen sie aus und kassierten dafür saftige Gebühren. Ist nicht viel anders heute.

Jesus führte eine revolutionäre neue Idee ein, nämlich, jeder kann mit Gott direkt reden, dazu braucht es keinen Übersetzer. Im Lukasevangelium kommt das klar zum Ausdruck, wo das „Vater unser“ eingeführt wurde, nach dem die Anhänger Jesus fragten, wie sie beten sollten. Für mich sieht das danach aus, wie wenn die Leute damals gar nicht wussten wie man betet. Es war etwas das für sie verboten war. Ausserdem, im Thomasevangelium spricht Jesus darüber, Gott wäre nicht im Himmel, nicht in einem Haus aus Holz und Stein, sondern er wäre überall, zugänglich für alle Menschen zu jeder Zeit. Das geht aus Sicht der Kirchenvertreter natürlich nicht. Es braucht einen Übersetzer, nämlich sie, er thront im Himmel und die Gläubigen müssen in ihr Haus kommen um zu beten.

Diese Idee, das gemeine Volk kann direkt mit Gott sprechen, ohne Priester und Tempel, war damals absolut radikal und extrem. Es wurde als Häresie und als gefährliche Bedrohung der Macht und des Reichtums der Sanhedrin angesehen und der römischen Machthaber ebenso. Jesus brach dieses Monopol und die Mautpflicht auf dem Weg zu Gott. Er gab den Menschen den Zugang kostenfrei. Deshalb haben die Priester ihn gehasst und vernichtet.

Jesus lebte in Armut. Es gibt keine Anzeichen er hat jemals um Geld gebettelt oder Geld für seine Lehrarbeit verlangt. Wie oben bereits gezeigt, er hatte eine totale Abneigung gegen den institutionalisierten Glauben als Finanzoperation. Kaum war er weg wurde aber die christliche Kirche eine Geldmaschine und die Priester wollten bezahlt werden. Sie verlangten wohl Bescheidenheit und Armut von ihren Schäfchen, aber selber führten sie ein gutes Leben. Gerade die katholische Kirche hat sich dann später zu einer der grössten Land- und Gutsbesitzer entwickelt, ganze Länder wurden im Namen des Vatikan erobert und alles beschlagnahmt, was wiederum zu Kriegen mit den weltlichen Fürsten führte.

Wie gesagt, nach dem Jesus die Welt verliess, hat jeder im Religionsgeschäft wieder Gott in Häuser und hinter verschlossenen Türen verbannt, wo nur die Priester den Schlüssel dazu hatten. Was Jesus gepredigt hat, Gott ist überall und wäre für jeden immer zugänglich, durfte nicht sein. Das ist so ähnlich wie heute, Information ist mit dem Internet jedem, überall und immer gratis zugänglich. Auch das wollen die Machthaber uns wieder wegnehmen, monopolisieren, kontrollieren und zahlbar machen.

Dieses Monopol der Kirche wurde dann später gebrochen durch die Erfindung des Buchdrucks durch Guttenberg. Hatten doch nur Mönche Zugang zur Bibel, die sie selber mit Hand kopierten und dann noch in einer Sprache, die das Volk nicht verstand, nämlich in Latein. So konnte man ihnen alles erzählen und sie waren abhängig von den Kirchenvertretern. Durch das kostengünstige Herstellen und Vervielfältigen der Bibel und dann noch durch die Übersetzung in viele Sprachen, wurde das Exklusivrecht umgangen und jeder konnte sie lesen.

Die allgemeine akzeptierte Übersetzung der ersten Zeile des Glaubensbekenntnis lautet: „Vater unser der Du bist im Himmel …“ Nur, das Original auf Aramäisch zeigt eine bewusste Falschübersetzung von „Vater unser der Du bist überall …“ , was dem was die Kirchen sagen widerspricht. Jesus sprach ja Aramäisch und nicht Hebräisch. Interessant ist auch, das Wort für Gott auf Aramäisch lautet Alaha oder Elah bzw. Elaha, ähnlich wie auf Arabisch Allah. Archäologisch gesichert ist die vorislamische Verwendung von Allah durch Christen.

Was will ich mit dem Ganzen sagen? Diese Institution Kirche ist eigentlich nur ein weltliches von Menschen gemachtes Konstrukt und dessen Vertreter vertreten hauptsächlich sich selber und die Doktrin die sie passend ausgearbeitet haben. Viele die sich Christen nennen sind so weit von der Botschaft Jesus entfernt wie die Erde zum nächsten Stern, nämlich Lichtjahre. Mit Spiritualität, also der Glaube an Gott und damit verbundene Streben nach Liebe, Wahrheit, Gerechtigkeit, Friede und der Erkennung wie schön die Schöpfung ist, haben sie nichts zu tun.

Was jetzt in den kommenden Wochen abläuft ist ein weltliches Schauspiel, wo es um die Machtübernahme im Kirchenstaat geht. Ein Nachfolger für Benedikt XVI. soll bis Ostern feststehen. „Wir sollten Ostern einen neuen Papst haben“, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi am Montag. Der Ostersonntag fällt in diesem Jahr auf den 31. März. Das Konklave zur Wahl des neuen Kirchenoberhauptes könne 15 bis 20 Tage nach dem Rücktritt beginnen, sagte der Sprecher.

Wie brüderlich christlich tolerant Benedikt war hat man an seiner Auffassung gesehen, dass den Protestanten nach katholischer Lehre kein Kirchenstatus zukommt. Andere Christen sind gar keine und die einzige Kirche Christi ist die der katholischen Kirche. Was wohl Jesus heute dazu sagen würde? Auch wieder, Ihr habt eine Räuberhöhle daraus gemacht?

Hier weiterlesen: Alles Schall und Rauch: Wir sind nicht mehr Papst http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2013/02/wir-sind-nicht-mehr-papst.html#ixzz2KgDNDLBY

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Ein Gedanke zu „Jesus brauchte keinen Pomp

    mestreseo sagte:
    Februar 15, 2013 um 2:01 pm

    hey, great job friend, cheers. mestreseo mestreseo mestreseo mestreseo mestreseo

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