Natur reguliert sich selbst

Gepostet am Aktualisiert am

mischwald

… Diese Situation regte mich zum Nachdenken an. Wieso schält das Wild: Ich wollte die Ursache dafür ergründen. Zu diesem Zweck durchstreifte ich den Wald immer wieder. Es war mir vordergründig nicht klar, warum sich das Wild so verhält. Doch dann kam mir der Zufall zur Hilfe. Ich schlief einmal im Wald ein und träumte davon, daß ich die vom Wild geschälten Stämme mit der Motorsäge umschnitt. Nach jedem Baum, den ich an diesem Steilhang fällte, fiel in meinem Traum ein dürrer Hirsch herunter. Als ich wieder wach wurde, hatte ich den Traum noch immer im Kopf.
Ich muss nochmals betonen, dass viele meiner Ideen im Traum entstanden sind. Zahlreiche Projekte habe ich nach Träumen gebaut und umgesetzt. Nun konnte ich auf die Schnelle mit dem Hirschtraum zwar nichts anfangen, aber ich versuchte, ihn auf die mir eigene Art zu deuten. Und so dachte ich mich in den Baum und in das Wild hinein, um vielleicht auf solche Weise eine Ursache zu ergründen. Durch dieses systematische Vorgehen kommt man den Problemen und deren Lösung meist rasch näher.
Ich dachte vorerst an den Baum: Er ist eigentlich nur mehr eine dünne lange Stange mit ein paar grünen Zweigen oben am Wipfel. Der Boden ist steil und so trocken, dass nicht einmal ein Grashalm dort wächst. Es dringt so gut wie kein Licht durch die dichten Kronen bis auf den mit Fichtennadeln übersäten Boden vor. Es wurde mir klar, dass sich der Baum auf diesem Standpunkt nicht wohlfühlen kann, ist doch der Boden versauert und das Bodenleben total verarmt. Die Fichte ist zudem ein Flachwurzler, der zur Bodenfestigung im Schutzwald nur wenig beitragen kann. Weiters ist diese Fichten-Monokultur anfällig für Wind- und Schneebruch, weil eben die Bäume wie in Batterien gehaltenen Legehennen vegetieren müssen. Von den Fichten her war somit die Sache ganz klar.
Nun dachte ich mich in das Rotwild hinein: Ich stellte mir vor, ich bin ein Hirsch, der in diesem Fichtenwald entsteht, wo kein Laubholz und kein Grashalm wachsen. Ich bin umgeben von dürren Ästen, denn die wenigen grünen Zweige finden sich ja nur an der Spitze des Baumes, weit ober mir. Ein Gefühl macht sich breit, als wäre ich im finsteren Gefängnis, umgeben von Gitterstäben.
Das Wild verfügt über einen ausgeprägten Naturinstinkt, sucht es sich doch in der Natur seine Nahrung selbst, um überleben zu können. Wildtiere brauchen keinen Tierarzt, sie kommen allein zurecht.
Wer nun in einem Monokultur-Fichtenwald steht, der muss Angst bekommen, überleben zu können. Diese Angst verspürt auch das Wild.

Der noch in den Tieren vorhandene Naturinstinkt führt zum Handeln – das Tier will unbewusst seinen Lebensraum renaturieren.

Also schält es die Rinde von den Bäumen. Dadurch werden diese dürr oder faul, brechen in weiterer Folge zusammen und schaffen so Blössen, wo sich wieder einen natürliche Vegetation durch die Sonneneinstrahlung entwickeln kann. Die Tiere schälen meiner Ansicht nach nicht aus Hunger, sondern aus dem Instinkt heraus, dass diese Fichtenmonokulturen kein passender Lebensraum sind. Was der Mensch zerstört hat, nämlich den Lebensraum für das Wild, will dieses selbst wieder herstellen.
Durch das Schälen der Bäume entwickelt sich in der Folge ein wildfreundlicher Lebensraum, in dem die Tiere dann auch wieder die ihnen zugedachten wichtigen Aufgaben im Naturkreislauf wahrnehmen können.
Mein Traum liess nur diese Deutung zu, denn würden wir Menschen nur Fichtenwüsten schaffen, müsste das Wild tatsächlich verhungern. Nun war es mir auch klar, warum in meinem Traum dürre Hirsche vorkamen. Wovon sollten diese Tiere im Fichtenwald leben können.
Es wurde mir bewusst, dass auch der Borkenkäfer, der Rüsselkäfer und die Fichtenblattwespe nach einem ähnlichen Muster wie das Rotwild in Monokulturen flächenhafte Schäden verursachen. Ebenso bringt Schnee- und Windbruch meist flächenhaften Schaden.

Meine Erkenntnis ist daher, dass die Natur unsere Fehler auszugleichen versucht, wenn wir es zulassen.

Deshalb meine ich, dass wir nicht den Borkenkäfer, den Rüsselkäfer oder das Rotwild bekämpfen, sondern eher die Forstbeamten und die Lehrer, die uns diesen Unsinn mit den Monokulturen eingedrillt haben.

Aus: Sepp Holzer, Der Agrar-Rebell, Seiten 113-114

wo ein wille

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s