Beispiel für Manipulation der Medien

Gepostet am

http://wasgeschahwirklich.wordpress.com/2009/12/27/zweiter-golfkrieg-wie-eine-bezahlte-pr-aktion-die-stimmung-in-der-bevolkerung-drehen-sollte/

Zweiter Golfkrieg: Wie eine bezahlte PR-Aktion die Stimmung in der Bevölkerung drehen sollte…

Geschrieben von forgottentruth – Dezember 27, 2009

Edit 28.12.: “Irakkrieg” durch “Golfkrieg” in Titelzeile ersetzt + Kleinigkeiten (Typos)

Es war einer der Momente am Anfang des zweiten Golfkriegs, die mir in guter Erinnerung geblieben sind: am 10. Oktober 1990 berichtete das damals fünfzehnjähriges Mädchen “Nayirah” unter Tränen vor dem Menschenrechtsausschuss des amerikanischen Repräsentantenhauses, wie Irakis in das kuwaitische Krankenhaus, in dem sie seinerzeit einen freiwilligen Dienst absolvierte, einfielen und Babies aus ihren Brutkästen holten, um sie auf dem kalten Fußboden liegend sterben zu lassen:

Bild: Nayirah vor Menschenrechtsausschuss

„Nayirah“ vor dem amerikanischen Menschenrechtsausschuss

Das Mädchen wirkte aufgewühlt und geschockt – die Tränen schienen echt und auch die Tatsache, dass sie aus Angst vor Rache gegenüber sich und ihrer Familie in Kuwait ihren Nachnamen nicht nennen wollte, schien nachvollziehbar. Die Geschichte von Nayirah und ihr Auftritt vor dem Menschenrechtsausschuss wurde so oft wiederholt, dass sich beides in die Gehirne einbrannte – doch leider wurde die erst Jahre später aufgedeckte Tatsache, dass das alles nur eine bezahlte PR-Aktion war, um die Stimmung der amerikanischen Bevölkerung für eine Beteiligung amerikanischer Truppen an dem schwelenden Konflikt zu drehen, von den Medien vollkommen ignoriert…

Diese PR-Aktion nahm bereits etwa einen Monat zuvor seinen Lauf, nämlich am 5. September 1990, als der London Daily Telegraph den kuwaitischen Minister Yahya al-Sumait mit den Worten zitiert, dass in der Entbindungsstation eines Krankenhauses aus ihren Brutkästen herausgeholt wurden, damit die Brutkästen mitgenommen werden konnten. Diese Story wurde anschließend von verschiedenen Agenturen, wie beispielsweise Reuters weiter verbreitet.

Zwei Tage später veröffentlichte die Los Angeles Times eine Story – ebenfalls von Reuters verbreitet, von einer gewissen “Cindy” aus San Francisco und ihrer Reisebegleitung “Rudy”, die ebenfalls von irakischem Vandalismus in einem Krankenhaus berichteten – unter anderem wurde auch die Brutkasten-Story wiederholt.

Am 10. Oktober schließlich ermöglichte der Menschenrechtsausschuss des amerikanischen Repräsentantenhauses der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, ihre Beweise für Menschenrechtsverletzungen durch den Irak zu präsentieren. Da dieser Ausschuss kein Komitee des Kongresses ist, müssen Zeugen, die dort aussagen, dies nicht unter Eid tun. Im Rahmen dieser Veranstaltung sagte nun ein fünfzehnjähriges Mädchen, das als “Nayirah” vorgestellt wurde und angebliche eine einfache kuwaitische Bürgerin sei, unter Tränen aus, dass sie mit eigenen Augen gesehen habe, wie irakische Soldaten in das Krankenhaus al-Addan, in dem sie einen freiwilligen Dienst absolvierte, einfielen und auf der Entbindungsstation die Babies aus ihren Brutkästen holten, um sie auf dem kalten Fußboden sterben zu lassen. Die Brutkästen wurden angeblich von den Soldaten mitgenommen.

Ein kurzer Ausschnitt dieser Aussage ist z.B. in nachfolgendem Youtube-Video zu sehen:

Alle großen Fernsehstationen berichteten über dieses Ereignis und auch in der Presse wurde die schriftliche Version von Nayirah’s Aussage mittels zuvor angefertigter “Media-Kits” umfassend publiziert. Finanziert wurde das ganze von der Organisation “Citizens for a free Kuwait“. Diese Organisation ist – wie man heute weiß – eine von ungefähr zwanzig kuwaitischen PR- und Lobbyorganisationen, die von der kuwaitischen Regierung gegründet wurden. Mehr dazu findet sich z.B. hier:

Nine days after Iraq invades Kuwait (see August 2, 1990), the public relations firm Hill & Knowlton creates a front organization, “Citizens for a Free Kuwait,” almost entirely funded by Kuwaiti money. Hill & Knowlton’s point man with the Kuwaitis is Craig Fuller, a close friend and political adviser to President Bush (see July 23, 1986). Veteran PR reporter Jack O’Dwyer will later write, “Hill & Knowlton… has assumed a role in world affairs unprecedented for a PR firm.” [CHRISTIAN SCIENCE MONITOR, 9/6/2002; PUBLIC RELATIONS WATCH, 6/3/2007] Citizens for a Free Kuwait is one of about twenty PR and lobbying groups formed by the Kuwaiti government. Other American PR firms representing these groups include the Rendon Group and Neill & Co. Citizens for a Free Kuwait will spread a false story of Kuwaiti babies being killed in their incubators by Iraqi troops, a story that will help inflame US public opinion and win the Bush administration the authority to launch an assault against Iraq (see October 10, 1990).

Am 15. Oktober 1990 berichtete der damalige Präsident George Henry Walker Bush von einem Treffen mit dem Emir von Kuwait, der ihm unglaubliche Geschichten von Neugeborenen, die aus ihren Brutkästen genommen und auf den kalten Fußboden gelegt wurden, weil die Brutkästen anschließend nach Bagdad geschickt wurden. Diese Story tischte er in den folgenden fünf Wochen insgesamt 5x auf.

Am 27. November 1990 wiederholte “Nayirah” ihre Geschichte sogar vor dem UN-Sicherheitsrat – diesmal in Begleitung eines weiteren Augenzeugen, dem “Chirurg Dr. Behbehani”, der die Vorfälle bestätigte und sogar vorgab, an der Beerdigung von 40 Babies teilgenommen zu haben, die auf diese Weise starben!

Am 19. Dezember 1990 veröffentlichte Amnesty International einen 84-seitigen Bericht über irakische Menschenrechtsverletzungen in Kuwait, in dem die Brutkasten-Lüge ebenfalls enthalten war. Und auch am 8. Januar 1991 wurde diese von einem führenden Mitarbeiter von Amnesty International vor dem Komitee für auswärtige Angelegenheiten wiederholt.

Wie knapp das Für und Wider bzgl. eines amerikanischen Eingreifens in der Golfregion damals war, zeigen die Abstimmungsergebnisse von US-Senat und Repräsentantenhaus:

Senat: 52 zu 47 Stimmen für den Krieg

Repräsentantenhaus: 250 zu 183 Stimmen für den Krieg

Ohne diese Brutkastenstory wäre das Abstimmungsverhalten wahrscheinlich anders ausgefallen, denn nach Angaben des amerikanischen Publizisten John R. MacArthur war die Brutkastenlüge das Element der Propaganda, das die Meinung zum Irakkrieg sowohl bei Bürgern als auch Politikern am meisten beeinflußte.

Es war auch dieser John R. MacArthur (u.a. auch damaliger Herausgeber des “Harper’s Magazine”) der in einem New York Times Artikel die Wahrheit über Nayirah, Citizens for a Free Kuwait und Hill & Knowlton aufdeckte. Der Artikel ist z.B. hier online zu lesen – ich habe ihn aber auch nochmal unten angehängt.

Außerdem brachte das WDR-Magazin Monitor am 29. März 1992 ebenfalls einen Bericht über MacArthur’s Erkenntnisse, sowie über weitere Fakten. Leider habe ich bisher keinen Mitschnitt dieser Sendung online gefunden.

Fest steht heute folgendes:

  • bereits im Sommer 1990 engagierte die in den USA operierende kuwaitische Lobbyorganisation “Citizens for a Free Kuwait” die weltweit größte PR-Agentur Hill & KnowIton für eine PR-Kampagne, die zum Ziel hatte, sowohl Politiker als auch Bevölkerung von der Notwendigkeit eines Waffengangs gegen den Irak zu überzeugen
  • die Story rund um Nayirah war nur ein Teil dieser Kampagne – aber das aufsehenerregendste Element
  • Nayirah war in Wirklichkeit die Tochter des damaligen kuwaitischen Botschafters in den USA, Saud Nasir al-Sabah und heisst mit richtigem Namen “Nijirah al-Sabah
  • zwei hohe Mitarbeiter von Hill & Knowlton, Gary Hymel und Lauri Fitz-Pegado, waren direkt an der Vorbereitung des Kongress-Hearings mit Nayirah im Oktober 1990 beteiligt
  • die beiden Kongressabgeordneten Tom Lantos und John Edward Porter, die Nayirah vor den Menschenrechtsausschuss des US-Kongresses geladen hatten, pfelgten enge Verbindungen zu H&K und ihrem Auftraggeber Citizens for a Free Kuwait
  • Dr. Behbehani war Zahnarzt und kein Chirurg und gab nach dem Krieg offen zu, dass er vor dem UN-Sicherheitsrat gelogen hatte!
  • nach dem Krieg hatten verschiedene Menschenrechtsorganisationen versucht, die in der Propaganda behaupteten Menschenrechtsverletzungen nachzuweisen, aber für keine fanden sich Beweise. Selbst Amnesty International musste sich von der Brutkastenstory distanzieren!
  • im Film “Live from Baghdad”, der aufgemacht ist, wie eine Dokumentation und in der Hauptrolle mit Michael Keaton, wird die Brutkastenlüge als Fakt dargestellt. Nachdem die Lüge aufflog, hat der Fernsehsender HBO, der “Live from Baghdad produzierte”, auf seiner Internetseite zum Film den Artikel von MacArthur aus der New York Times angehängt. Gleichzeitig wird folgendes als einleitende Erklärung geschrieben:
    Im Zeitraum, auf den sich unser Film bezieht, kursierte die weitverbreitete Behauptung, irakische Soldaten hätten Babies aus Brutkästen genommen. Diese Behauptung konnten nie bewiesen werden.
    Allerdings besteht die Gefahr, dass viele Zauschauer den Abspann nicht anschauen und so die als “Fakt” verpackte Lüge nicht als solche erkannt wird. Auch in Deutschland wurde der Film mindestens einmal unter dem Titel “Live aus Bagdad” vom ZDF gezeigt.
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